John Niven – „Zwei Väter“

Donnerstag, 30. Juli 2026

(btb, 414 S, Pb.)
Neben Irvine Welsh („Trainspotting“, „Porno“) zählt John Niven fraglos zu den bissigsten zeitgenössischen Autoren aus Schottland. Mit Romanen wie „Music From Big Pink“, „Coma“, „Kill Your Friends“ und „Gott bewahre“ hat Niven in wenigen Jahren das Kunststück fertiggebracht, das Showbusiness, die Religion und den Sport mit einer Leichtigkeit durch den Kakao zu ziehen, dass kein Stein mehr auf dem anderen blieb. Mit seinem letzten Buch „O Brother“ präsentierte sich der Bestseller-Autor auf einmal sehr einfühlsam, arbeitete er doch den tragischen Tod seines jüngeren Bruders auf. Nach diesem sehr persönlichen Werk kehrt Niven nun aber wieder zu alten Tugenden zurück.
Der Endvierziger Dan Chambers kann sein Glück kaum fassen. Der erfolgreiche Autor der langjährigen Krimiserie „McCallister“ darf sich nach Jahren fruchtloser Bemühungen, zusammen mit seiner Frau Grace ein Baby zu bekommen, endlich Vater des kleinen Tom nennen. Auf der Entbindungsstation lernt er Jada kennen, der aus einer ganz anderen Welt stammt und bereits (wahrscheinlich) zum sechsten Mal Vater geworden ist und seinen Lebensunterhalt als Kleinkrimineller mehr schlecht als recht verdient, schließlich geht der Großteil der Erlöse für Drogen drauf, die er mit seiner aktuellen Freundin Nicole genießt, die sich noch nicht entscheiden kann, ob ihr Sohn Hayden oder Jayden heißen soll.
Zwar treffen die beiden auch nach der Entlassung ihrer Frauen aus dem Krankenhaus immer mal wieder aufeinander, doch wirklich nah kommen sie sich dabei nicht. Erst als Dan mit einer sein Leben auf den Kopf stellenden Tragödie konfrontiert wird, nähern sich Dan und Jada auf eine Weise an, mit der wohl niemand der Beteiligten je gerechnet hätte…

„Es war erst ein paar Wochen her, dass er diesem Kerl an der Bar vom Boden aufgeholfen hatte. Und jeden, der ihm damals prophezeit hätte, dass Dan hier zum Stammgast werden, sich unter die Jungs mischen, mit ihnen quatschen, rauchen und trinken würde, hätte Jada für geisteskrank erklärt. Genau wie Dan, wenn man ihm gesagt hätte, dass er um fünf Uhr nachmittags betrunken in einer der übelsten Spelunken von Glasgow – und damit mehr oder weniger zwangsläufig der ganzen Welt – sitzen und sich über einen gescheiterten Einbruch in ein Haus amüsieren würde, das seinem eigenen sehr ähnlich war. Andererseits war Dan in jüngster Zeit vieles widerfahren, das er nicht geglaubt hätte.“ (S. 270f.)

John Niven beginnt „Zwei Väter“ als zunächst leichte Vaterschaftskomödie, die ihren (oft rabenschwarzen) Humor vor allem aus der Gegensätzlichkeit der beiden Lebenswelten – prekäre Unterschicht mit den üblichen Begleiterscheinungen von Gewalt, Drogen und Verbrechen auf der einen, gehobene Oberschicht mit gut dotiertem Job, Tesla, schickem Haus und beruhigenden finanziellen Rücklagen auf der anderen Seite – bezieht, wobei Niven die Unterschiede gerade hinsichtlich Sprache und Verhalten genüsslich herausarbeitet. Das führt er in der Beschreibung der jeweiligen Lebenswelten mit den Kindern auf fast schon klischeehafte Weise, nur um das Seifenoper-Szenario mit einer unerwarteten Tragödie auszulöschen. Damit nimmt nicht nur der Plot eine unerwartete Wendung, Niven nutzt dieses Ereignis und die überraschende Annäherung der beiden Väter auch dazu, um aufzuzeigen, dass die Männer – über die Klassenunterschiede hinaus - mehr miteinander gemein haben als man vermuten würde. Hier erweist sich „Zwei Väter“ als detaillierte Analyse dessen, was Vatersein im Grunde genommen bedeutet. Einzig das Hollywood-mäßige Finale wirkt etwas zu aufgesetzt, tut dem Unterhaltungswert des Romans aber keinen Abbruch.

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