Freitag, 6. März 2009

Carlos María Domínguez - „Das Papierhaus“

(Eichborn, 93 S., HC)
Als die an der Universität Cambridge lehrende Literaturdozentin Bluma Lennon mit einem Gedichtband von Emily Dickenson aus einer Buchhandlung tritt, wird sie – wie selbst einmal vorausgesagt hat – von einem Auto überfahren. Wenig später nimmt ihr Kollege und Nachfolger ein in Uruguay aufgegebenes Päckchen für sie an, in dem sich ein von Zement verklebtes Exemplar von Joseph Conrads „Die Schattenlinie“ befindet, das mit einer Widmung Blunas an einen gewissen Carlos versehen ist.
Blunas Kollege vermutet, dass es sich um eine der Affären handeln muss, die seine alternde Kollegin zu ihrer Eitelkeit unterhielt, und versucht, sich selbst einige interessante Fragen zu beantworten, vor allem, warum das Buch nach zwei Jahren, nachdem es von Bluna verschenkt worden ist, wieder nach Cambridge zurückkehrt und was es mit der Zementkruste auf sich hat. Also macht sich der Dozent auf die Reise, zunächst in seine Heimatstadt Buenos Aires, dann nach Montevideo, wo er Jorge Dinarli in einer der größten antiquarischen Buchhandlungen der Stadt aufsucht, der ihn wiederum an Delgado verweist, einen alten Freund von Carlos Brauer. Dieser, selbst ein Büchersammler, erzählt ihm von Brauers Dasein, das ganz dem Lesen und Sammeln von Büchern gewidmet war und irgendwo an einem Strand bei La Paloma mündete, wohin Brauer ausgewandert war, um aus seinen Büchern ein Haus zu bauen. Dort wird dem Erzähler endgültig klar, wie Bücher das Leben von Menschen prägen und auch zerstören können … Wunderbar melancholische, poetische und geistreiche Erzählung über die manchmal auch zerstörerischen Leidenschaften des Lesens und Büchersammelns, letztlich aber über die Magie von Büchern schlechthin.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen