Mittwoch, 4. März 2009

Mark Costello - „Paranoia“

(Goldmann, 432 S., HC)
Die beiden ungleichen Geschwister Vi und Jens Asplund wuchsen im beschaulichen Center Effing, New Hampshire, auf und wurden in ihrer Kindheit maßgeblich durch ihren skurrilen Vater, den Versicherungsgutachter Walter Asplund, geprägt, den sie auf seinen Fahrten zu Unglücksstellen von entgleisten Güterzügen oder abgebrannten Häusern begleiten durften. Vi verdingte sich daraufhin beim Secret Service und gehört nun dem Personenschutz-Team an, das jeden Schritt des Vizepräsidenten überwacht und ihn von jeder möglichen Gefahr abschirmt. Jens, der schon als Kind bei „Jugend forscht“-Wettbewerben glänzte, ist leitender Programmierer für das Internet-Action-Spiel „BigIf“, das sein Vater für amoralisch hielt.
Sowohl Vi als auch Jens sind beruflich viel zu eingespannt, um viel voneinander zu haben. Und dann ist da noch Jens’ Frau, die erfolgreiche Immobilien-Maklerin Peta Boyle, die nur noch superteure, superschicke Anwesen betreut, es dabei aber auch mit äußerst anstrengenden Kunden zu tun hat, deren ausgefallenen Wünsche Peta nur mit größtem Einfühlungsvermögen zu befriedigen vermag. Während auf der einen Seite Paranoia das bestimmende Lebensgefühl im heutigen Amerika zu sein scheint, steckt das Leben der Protagonisten in diesem Roman voller Überraschungen, Probleme und kleinen Katastrophen, gegen die auch die intensivsten Schutzmechanismen nichts ausrichten können. Der zweite Roman des ehemaligen Staatsanwalts Mark Costello besticht durch seine erstklassige Beobachtungsgabe und den skurrilen Humor, weshalb der Autor bereits mit Jonathan Franzen und Don DeLillo verglichen wird.

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