Sonntag, 8. März 2009

Peter O. Chotjewitz - „Machiavellis letzter Brief“

(Europa, 452 S., HC)
Christian Weise ist ein junger und hochtalentierter, aber noch recht unbekannter Dichter und Philosoph, der im Jahre 1664 den delikaten Auftrag erhält, für die berühmte Wolfenbütteler Bibliothek den angeblich letzten Brief des großen Florentiner Denkers und Dichters Niccolò Machiavelli käuflich zu erwerben. Der Leser wird in Form eines Reiseberichts, den Weise in Art von Tagebuchaufzeichnungen seinem Herrn, den Herzog August d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel vorlegt, Zeuge einer recht abenteuerlichen Reise, die den jungen Philosophen von Braunschweig über Augsburg nach Sant’ Andrea bei Florenz führt, wo eine gewisse Ippolita Machiavelli im Besitz des unglaublichen Dokuments sein soll.
 Über einige Umwege endlich am begehrten Ziel angekommen, legt ihm Ippolita nicht nur einen Brief, sondern gleich eine längere autobiographische Erzählung Machiavellis vor. Allerdings bleibt dem deutschen Philosophen nicht viel Zeit zur Überprüfung der Echtheit des Manuskripts. Als Ippolita ermordet aufgefunden wird, gerät Weise unter dringenden Tatverdacht. Seine Flucht verläuft ähnlich abenteuerlich wie die beschwerliche Hinreise. Wenn man genügend Interesse an historischen Stoffen aufbringen mag und sich weder von der altertümlichen Sprache noch den unzähligen Namen abschrecken lässt, erhält man einen wundervollen Einblick in die italienische Kultur sowohl aus der Zeit Machiavellis (1469-1527) als auch aus der Zeit der Reise anderthalb Jahrhunderte später. Vor allem das gut fünfzigseitige Nachwort des Autors erhellt einige wichtige Zusammenhänge und historische Hintergründe.

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