Samstag, 25. April 2009

David Gilbert - „Die Normalen“

(Eichborn, 400 S., HC)
Zwar hat der 28jährige Billy Shine seinen Abschluss in Harvard gemacht, hält sich aber nur mit Zeitarbeits-Jobs über Wasser und verkehrt mit seiner Freundin Sally nur wegen des notwendigen Austauschs von Körperflüssigkeiten. Desillusioniert sowohl in beruflichen wie Liebesdingen, labt sich Billy an seinen Krankheiten auch nur, weil er vollkommen gesund ist. Nur die hartnäckige Inkassofirma Ragnar & Sons, die seine säumigen Studienschulden eintreiben will, machen Billy echte Sorgen.
Da kommt ihm das Angebot von Hargrove Anderson Medical, an einer Studie zur Erprobung eines atypischen Psychopharmakon zur Behandlung von Schizophrenie gerade recht. Recht gelangweilt und teilnahmslos lässt Billy alle medizinischen Prozeduren über sich ergehen und lässt sich auch von den ersten Nebenwirkungen nicht erschrecken, nicht mal als ihn sein Vater Abe um Sterbehilfe für ihn selbst und seine seit Jahren an Alzheimer leidenden Frau bittet … Mit „Die Normalen“ ist dem amerikanischen Autor David Gilbert eine ganz spezielle Hommage an Ken Keseys Klassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“ gelungen, nur dass Billy eben gar keine rebellischen Züge hat und sich stattdessen in sein Schicksal ergibt. Vor allem die skurrilen Charaktere, die überzogenen Dialoge, die sehr mikrokosmische Behandlung von Themen wie Ethik in der Medizin und die Bedeutung von Liebe machen „Die Normalen“ zu einem vorzüglichen Lesevergnügen.

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