Samstag, 25. April 2009

Annie Proulx - „Mitten in Amerika“

(Luchterhand, 512 S., HC)
Die 68jährige Amerikanerin Annie Proulx hat erst Ende der 80er Jahre begonnen, ihre Werke zu veröffentlichen, schuf aber mit dem von Lasse Halmström ebenfalls erfolgreich verfilmten „Schiffsmeldungen“ gleich eine literarische Sensation und wurde mittlerweile mit allen wichtigen amerikanischen Literaturpreisen ausgezeichnet. In ihrem neuen Roman erzählt sie auf gewohnt unterhaltsame, episodenhafte und komische Art und Weise die Geschichte des jungen Amerikaners Bob Dollar, der selbst fünf Jahre nach seinem Hochschul-Diplom noch nicht so recht die Richtung zu bestimmen vermag, das sein Leben nehmen soll.
Nach Gelegenheitsjobs in der Lebensmittelbranche und als Lagerist in einer Glühbirnenfabrik verdingt er sich schließlich bei Global Pork Rind. Als Scout soll er im ehemaligen „Wilden Westen“, in den Panhandles, dem weitläufigen Gebiet, das Texas und Oklahoma miteinander vereint, nach geeigneten Grundstücken für neue Schweinemastbetriebe Ausschau halten, dabei aber sehr diskret vorgehen und sich zunächst einmal das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen, ohne die wahre Absicht seines Aufenthalts zu enthüllen. Er findet in dem kleinen texanischen Ort Wooleybucket Unterschlupf in einer Arbeiterbaracke und bekommt schnell nicht nur von der Farmbesitzerin LaVon einige interessante Geschichten über Land und Leute zu hören. Nach drei Monaten Aufenthalt ist aber noch lange kein Geschäftsabschluss in Sicht, was Bobs Chef Ribeye Cluke zunehmend verärgert. Dafür erfährt Bob in den Geschichten von Tornados, Hahnenkämpfen, Windrädern, Zaunbauern und Affären, dass der Niedergang der Prärie maßgeblich mit den Schweinefarmen zusammenhängt, für die er eigentlich neues Land gewinnen soll. Annie Proulx erzählt von einer fast märchenhaften Welt, die wir so kaum mit dem heutigen Amerika verbinden würden, und das tut sie auf geistreiche, detailgetreue und fast liebevolle Weise.

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