Donnerstag, 30. April 2009

James Wilson - „Der Schatten des Malers“

(Insel, 507 S.,)
Joseph Mallord William Turner (1775-1851) gilt als berühmtester Maler England, stand aber stets in dem Ruf, sowohl „genialisch“ als auch „verrückt“ zu sein. Der in Oxford Geschichte studierte britische Autor James Wilson geht dem geheimnisvollen Leben William Turners in Form eines historischen Romans auf den Grund, verwebt die mühsam aus etlichen Biografien, Museen und vor Ort recherchierten Fakten in eine spannend zu lesende Geschichte, in der der begabte, aber wenig erfolgreiche Maler Walter Hartright von Lady Eastlake, der Gattin des National-Gallery-Direktors Charles Eastlake, einige Jahre nach dem Tod Turners gebeten wird, eine Biografie Turners zu schreiben, da der Journalist Walter Thornbury seinerseits an einer Biografie schreibt, die kein gutes Haar an dem großen Künstler lässt.

Zusammen mit seiner Schwägerin Marian Halcombe macht sich Hartwright auf die Suche nach Zeitgenossen und muss schnell feststellen, dass er ganz unterschiedliche Beschreibungen von Turners Wesen in Einklang miteinander bringen muss. Während manche ihn als großzügigen, warmherzigen Edelmann bezeichnen, verachten andere ihn als Geizhals und als Mann mit außergewöhnlichen sexuellen Vorlieben. Je mehr Hartwright in das Leben Turners eintaucht, umso deutlicher werden die Veränderungen in ihm selbst. Sein Wunsch, Turners Genie zu verstehen, führt fast zur zerstörerischen Selbstaufgabe... James Wilson hat mit dem in Brief- und Tagebuchform geschriebenen Roman ein authentisch wirkendes Portrait eines faszinierenden Künstlers geschaffen und zugleich ein stimmungsvolles historisches Abbild der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts.

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