Samstag, 4. April 2009

Kazuo Ishiguro - „Alles, was wir geben mussten“

(Blessing, 349 S., HC)
Seit elf Jahren arbeitet die 31-jährige Kathy H. als Betreuerin von „Spendern“, doch erst seit den letzten sechs Jahren darf sie sich auch aussuchen, wen sie betreuen möchte. Eine der ersten Fälle, den sie sich selbst aussuchen durfte, war ihre Freundin Ruth, mit der sie das englische Internat Hailsham besucht hat. Überhaupt hat Kathy bevorzugt ehemalige Hailsham-Kollegiaten ausgewählt.
Zwar existiert das Internat längst nicht mehr, aber immer wenn Kathy übers Land fährt, erinnert sie so vieles an Hailsham, und diese Erinnerungen lässt Kathy nun Revue passieren. Vor allem ihre Freundschaft zum aufbrausenden Außenseiter Tommy und zur mit ihm liierten Ruth rufen die lebendigsten Bilder hervor. Wie sie sich im Unterricht beispielsweise künstlerisch betätigen sollten und die besten Erzeugnisse von den Erziehern in einer geheimnisvollen „Galerie“ aufbewahrt wurden. Wie Kathy an einer Musikcassette hängt, die ihr abhandenkommt, sie aber wieder in einem Second-Hand-Laden in Norfolk wieder findet, wie Tommy fast daran verzweifelt, dass er keine künstlerische Ader zu haben scheint, insgeheim aber merkwürdige Tiere zeichnet. Erst nach und nach wird offenbart, um was für eine Art Internat es sich bei Hailsham handelt und wie es um die „Kollegiaten“ bestellt ist … Ishiguro („Was vom Tage übrigblieb“) schrieb seinen neuen Roman in Form klassischer Internatsgeschichten und lüftet das Geheimnis, das sich hinter seinen Mauern verbirgt, sehr behutsam, während er sich vordergründig auf die üblichen Verwirrungen von erster Liebe und den Problemen des Erwachsenwerdens konzentriert …

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